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Mein letzter Besuch unserer Filiale in Berlin, konnte ich mit dem ersten Alumni-Brunch der depak (Deutsche Presseakademie) verbinden. Samstag um 10.00 Uhr ist natürlich für Berliner Verhältnisse und 30 Grad im Schatten ein sehr ambitionierter Beginn. Bereits gegen 11.00 war der Saal aber gut gefüllt, Berliner kommen nie pünktlich. Alumnisprecher Frank Hakelberg konnte den Anlass eröffnen.

Ich hatte mich in letzter Sekunde angemeldet und war nicht im Besitz eines Programms. Bei Brunch hatte ich eher an etwas Kulinarisches gedacht. Da lag ich natürlich völlig falsch. Studienleiter Christian Arns, ausgerüstet mit zwei Mikrophonen und einer wirklich langen Frageliste, rückte dem Journalisten Dieter Schreier zu Leibe. Sofort wurde klar wieso dieser Fragebogen dermassen ausführlich war. Schreier ist seit Jahren Dozent der Bundeszentrale für politische Bildung und war zuvor 1,5 Jahrzehnte Chefredaktor beim Hanauer Anzeiger. Nach dem Mauerfall war er bei der Eisenacher Presse engagiert. Eisenach lag im Osten. Technisches Gerät musste täglich geschmuggelt werden. Dafür verfügte das Dorf über einen Kugelschreiber-Reparatur-Service.

Das Podium war nicht nur Reich an Anekdoten, es gab auch viel Wissenswertes über den Zustand des Qualitäts-Journalismus in Deutschland zu erfahren. Wie in der Schweiz wird auch in Deutschland an allen Ecken und Enden gespart. Selbstverständlich betrifft das auch die Löhne der Journalisten. Also nicht wirklich qualitätsfördernd. Die Qualität gib es aber noch und die Leser sind bereit dafür zu bezahlen. Die Einkünfte aus den Verkäufen der (Print)-Medien liegen angeblich bei 60 Prozent. Zuvor war das Verhältnis Verkäufe und Inserate 20 zu 80 Prozent.

Wie Online Journalismus je einmal rentieren soll, ist auch Schreier nicht klar. Einen Trend sieht er aber glasklar. Und dieses Fazit habe ich sehr gerne mitgenommen. Nachdem die Digitalisierung uns schon beinahe völlig in den Bann gezogen hat, sieht er einen Gegentrend. Die Menschen wollen sich vom Digitalen wieder entgiften. Digital Detox heisst das Zauberwort. Da hat er wohl Recht. Zusammen ein Bier trinken oder einen Sonnenuntergang geniessen ohne dauernd aufs Handy zu starren, zu filmen oder zu fotografieren, wäre tatsächlich ein Schritt in die richtige Richtung.

http://www.depak.de/